Aus der Not eine Tugend gemacht:

Kreative Berufsorientierung an der AWG Uetze

Normalerweise stehen die Jahrgangstufen 8 und 9 an der AWG ganz im Zeichen der Berufsorientierung: Eine zentrale Rolle nehmen dabei die beiden Praktika von zwei, bzw. drei Wochen ein. „Ein Highlight, auf das die Schülerinnen und Schüler lange hinarbeiten“, findet der stellvertretende Jahrgangsleiter Erik Sembritzki. Doch die Pandemie verhinderte neben Ausflügen und Schulfahrten auch die Praktika. Das erste der beiden wurde im März 2020 nach einer Woche abgebrochen, das zweite schien zu keinem Zeitpunkt realistisch. Nach langen Wochen des Homeschoolings entschied sich das Jahrgangsteam 9 schließlich dafür, für die rund 120 betroffenen Schülerinnen und Schüler zwei digitale Berufsorientierungswochen durchzuführen. „Wir wollten unsern Schülerinnen und Schülern nochmal etwas anderes anbieten, die Luft war raus. Aber in erster Linie wollen wir verhindern, dass die betroffenen Jahrgänge ohne klare berufliche Orientierung die AWG verlassen“, formuliert es Sembritzki.

Stück für Stück entstand so in enger Zusammenarbeit der Tutoren und Tutorinnen in Jahrgang 9 eine digitale Berufsorientierungswoche in drei Modulen: Eines zu „Selbsteinschätzung und Interessen“, eines zu Bewerbungsverfahren und ein drittes im Bereich „Orientierung und Erkundung“. „Das war ein echter Kraftakt, aber es hat sich gelohnt“ findet Lehrerin Olga Raisch. Einige der Unterrichtenden konnten eigene Erfahrung aus vorherigen Tätigkeiten einbringen. Die Schülerinnen und Schüler absolvierten eine Kompetenzanalyse mit Hilfe des „Profil AC“, bereiteten sich auf Bewerbungsgespräche und Telefonanrufe vor und simulierten diese oder prüften ihre Fähigkeiten mit „Check-U“, einem Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit. „Die moderneren Bewerbungsverfahren kannte ich noch nicht, das Assessmentcenter hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt Schülerin Jillian Reichel.

Informiert wurde auch über verschiedene Oberstufen in der Region oder die Möglichkeiten eines Auslandsschuljahres. Besonders interessant waren jedoch vor allem die zahlreichen „Live-Formate“, in denen sich die Neuntklässler per Videokonferenz mit Experten austauschen konnten. Schüler Mika Gallinat kann das bestätigen: „Mir hat das Gespräch mit der Handwerkskammer am meisten gebracht. Ich hatte vorher nur eine lose Idee, aber jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Anlagenmechaniker werden will. Eine Überraschung war auch, dass meine Werte und Normen-Lehrerin auch Frisörmeisterin ist.“ Glücklicherweise konnten zahlreiche externe Partner für die Wochen gewonnen werden: Die Schülerinnen und Schüler konnten eine Expertin vom Deutschen Roten Kreuz zum Freiwilligen Sozialen Jahr befragen, einen Rettungssanitäter und eine Flugbegleiterin zu ihren Tätigkeiten oder an einer Live-Werksführung bei Audi in Ingolstadt teilnehmen. „Das hätten wir unter normalen Umständen eher nicht gemacht“, lacht Lehrer Sembritzki. Unter der Regie von „pro regio e.V.“ stellten sich in der zweiten Woche Ausbildungsbetriebe aus der Region vor und kamen per Videokonferenz mit den Neuntklässlern ins Gespräch. „Die Wochen haben uns auch als Schule weitergebracht“, findet die Koordinatorin der Berufsorientierung Isabel Barthold und ergänzt: „Von den Ideen und Partnerschaften werden wir sicher auch in den nächsten Jahren profitieren können.“

Mika Gallinat, Stammgruppe 9.2